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Eine kurze Geschichte der Germania

Der Katholische Studentenverein Germania wurde am 7. März 1864 von 18 Studenten im Winkelsett'schen Gasthof in der Aegidiistraße zunächst als "Akademischer Verein" an der damals bestehenden theologisch-philosophischen Akademie gegründet. Man wollte die Schaffung eines geselligen Vereinigungspunktes auf religiöser Basis für katholische Studenten vorantreiben. Die Stifter gaben sich den Wahlspruch "per aspera ad astra", der später in den noch heute gültigen Wahlspruch "deum cole, litteris stude, amicos fove" umgewandelt wurde. Als Vereinsfarben wählte man rot - weiß - schwarz, als katholischer Verein lehnte man Duell und Mensur selbstverständlich ab. 

Der Akademische Verein wurde am 28.5.1864 vom Senat der Akademie genehmigt und bestätigt. Am 8. Januar 1865 wurde der vorläufige Name des Vereins endgültig in Germania umgewandelt. 

1866 schlossen sich die nichtfarbentragenden katholischen Studentenvereine zu Berlin, Breslau, Bonn, Münster und Würzburg zusammen, und gründeten den "Verband der katholischen Studentenvereine", aus dem später der "Kartellverband der katholischen deutschen Studentenvereine (KV)" hervorging. Die Germania ist damit der 4. Gründungsverein unseres Verbandes. 

Der Verein entwickelte sich rasch und war um 1886 die grösste und bedeutentste Korporation Münsters. Nach 1900 erfolgten mehrere Teilungen; so entstanden 1901 aus der Germania die verehrlichen Vereine Cimbria und Markomannia. 1919 kam es zur erneuten Teilung des Vereins und damit zur Gründung e.v. K.St.V. Ravensberg. 

Der Druck der NS-Diktatur führte schließlich zur Selbstauflösung der Aktivitas am 18.5.1936, der Altherrenverein wurde 1938 zusammen mit allen noch bestehenden katholischen Korporationen wegen Staatsfeindlichkeit verboten. Zwei Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges konnte sich der Verein als Akademischer Leseverein mit sechs Aktiven rekonstituieren und im Februar 1950 wieder im Germania umbenennen. Schon 1951 war der Verein in der Lage, die Reaktivierung der Breslauer Franko-Silesia, die nach einer Aktivitas suchte und Kontakt zur Germania aufnahm, durchzuführen. 1956 erwarb der Altherrenverein das Haus Gertrudenstraße 45, das nach Umbauarbeiten am 10.11.1957 eingeweiht und bezogen werden konnte. 1971 stand die Aktivitas kurz vor dem Untergang, nachdem zwei Jahre lang kein Fuchs nachkam. Seit 1972 ging es allerdings langsam wieder bergauf, so dass unser Verein, trotz einer relativ geringen Größe der Aktivitas, heute im Vergleich zu anderen münsteraner Aktivitates allerdings positiv abschneidet. Im Jahre 1999 hat die Germania als einer der Gründungsvereine des KV sein 135. Stiftungsfest gefeiert. 2003 konnte der KV das 150-jährige Bestehen seines ältesten Gründungsvereins, e.s.v.K.St.V. Askania-Burgundia mit einem umfangreichen Rahmenprogramm in Berlin feiern.

Die Gründungsjahre des K.St.V. Germania

Der Katholische Studentenverein Germania wurde am 7. März 1864 von 18 Studenten auf Initiative des Berliner Studenten Theodor Stahl im Winkelsett'schen Gasthof in der Aegidiistraße zunächst als "Akademischer Verein" an der damals bestehenden theologisch-philosophischen Akademie gegründet. Man wollte die Schaffung eines geselligen Vereinigungspunktes auf religiöser Basis für katholische Studenten vorantreiben. Die Stifter gaben sich den Wahlspruch "per aspera ad astra", der später in den noch heute gültigen Wahlspruch "deum cole, litteris stude, amicos fove" umgewandelt wurde. Als Vereinsfarben wählte man rot - weiß - schwarz, als katholischer Verein lehnte man Duell und Mensur selbstverständlich ab. 

Der Akademische Verein wurde am 28.5.1864 vom Senat der Akademie genehmigt und bestätigt. Am 8. Januar 1865 wurde der vorläufige Name des Vereins endgültig in Germania umgewandelt. 

1866 schlossen sich die nichtfarbentragenden katholischen Studentenvereine zu Berlin, Breslau, Bonn, Münster und Würzburg zusammen, und gründeten den "Verband der katholischen Studentenvereine", aus dem später der "Kartellverband der katholischen deutschen Studentenvereine (KV)" hervorging. Die Germania ist damit der 4. Gründungsverein unseres Verbandes.

Vom Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg

Die Germania begann sich nach ihrer Gründung sehr schnell zu entwickeln, da sie in der katholischen Studentenschaft der Akademie regen Zuspruch fand und erlangte aufgrund ihrer Größe und ihren vielfältigen wissenschaftlichen und kulturellen Aktivitäten rasch eine Vormachtstellung unter den münsterschen Korporationen.

Dies weckte den Neid der anderen Verbindungen, die der neuen Korporation in Rivalität gegenüberstanden, was sich traditionell auch heute noch in der Kluft zwischen den konfessionellen Korporationen und den schlagenden Verbindungen in Münster zeigt. Obwohl man sich meist aus dem Weg ging (man traf sich nur auf großen Kommersen oder Fackelzügen, wobei ein respektierter allgemeiner Burgfrieden galt), kam es auch zu Streitigkeiten. Als z. B. 1871 nach dem Deutsch-Französischen Krieg ein Friedenskommers geplant wurde, fiel das Los des Präsidiums auf die Germania. Daraufhin weigerte sich die Landsmannschaft Rhenania daran teilzunehmen, das Präsidium sollte "eher ein Kamel übernehmen".

Im SS 1886 hatte unser Verein mit 164 Aktiven (inklusive 40 Füchse und 20 Inaktive) die höchste Mitgliederzahl seiner Geschichte. Diese Zahl stellte ca. 1/3 der gesamten damaligen münsterischen Studentenschaft dar. Der Verein war mittlerweile so groß, daß ein vernünftiges Korporationsleben, in dem sich die Vereinsbrüder gegenseitig kennen, unmöglich war. 

Nachdem der Plan für eine Teilung 1894 ersten Mal erörtert wurde, sprach sich schließlich der Konvent am 4. 2. 1901 für den Vollzug aus und so entstanden aus der Germania die verehrlichen Vereine Cimbria und Markomannia; in der Germania verblieben von 140 Aktiven kaum 40.

Im SS 1910 erfolgte der Bau des ersten Germanenbootshauses an der Werse am Hof zur Linde. Nach dem Bootshaus des Akademischen Rudervereins war es das zweite Korporationsbootshaus in Münster. Es war einfach gebaut und diente zuerst nur der Unterbringung der Boote. 1913 wurde es um- und ausgebaut.

Nach der Jahrhundertwende wurde der Ruf nach einem eigenen Haus immer lauter und 1900 wurde für den geplanten Hausbau eine eigene Kommission eingesetzt. Seit 1903 begann man mit mehrfachen Geldsammlungen im Verein, so daß sich allmählich ein Fond für das geplante Haus zu bilden begann. Im WS 1905/06 wurde die Hausbaufrage wieder lebhafter erörtert, was zur schliesslich zur Gründung des "Hausbauvereins alter münsterischer Germanen" im Jahre 1912 führte, der in das Vereinsregister eingetragen wurde. 1914 legte man am 50. Stiftungsfest des Vereins den Grundstein für das neue Haus am Krummen Timpen. Einige Wochen später brach dann allerdings der Erste Weltkrieg aus, der die Realisierung der Pläne durchkreuzte.

Unser Verein während der Weimarer Republik

Das Ende des Ersten Weltkrieges wurde von der deutschen Bevölkerung und in der Germania allgemein als Niederlage mit einem "schmachvollen Waffenstillstand" angesehen. Das Kaiserreich und damit die Welt der in ihm Lebenden war zusammengebrochen.

Viele Korporierte hatten Probleme mit der neuen politischen Situation, waren konservativ orientiert oder sogar antirepublikanisch eingestellt. Gerade in dieser politisch verworrenen Periode besannen sich die studentischen Verbände und die Korporationen auf den Gedanken des "Vaterlandes" und trugen ihre Positionen deutlich nach außen.

In den Wirren der Revolution beteiligte sich die Aktivitas der Germania mehrfach an militärischen Sicherungseinsätzen: 1918/19 an der Akademischen Volkswehr, im Januar 1919 während der Wahlen für die Nationalversammlung am Sicherheitsdienst zum Schutz öffentlicher Gebäude, und 1920 an der Akademischen Wehr. 

Viele neue Studenten schlossen sich nach dem Krieg wieder den Korporationen an, deren Aktivitates sich stark vergrößerten. Dies geschah auch in der Germania und führte dazu, daß die Aktivitas war wieder zu groß wurde, um ein sinnvolles Korporationsleben aufrechtzuerhalten. So entschloß man sich 1919 zur erneuten Teilung des Vereins und damit zur Gründung des K.St.V. Ravensberg, des vierten Tochtervereins der Germania. Im gleichen Jahr wurde der Altherrenverein Germania gegründet, um die Philister fester zusammenzuschließen und einen besseren Kontakt zwischen Altherrenschaft und Aktivitas zu erreichen.

Das Vereinsleben wurde durch die Inflation und Währungsreform 1923/24 schwer beeinträchtigt. Die Aktivitas verkleinerte sich, der Vereinsbetrieb mußte eingeschränkt werden; es kam sogar soweit, daß keine Kneipen mehr geschlagen wurden. Danach lebte die Korporation aber schnell wieder auf.

Nach langem Vorspiel konnte die Germania am 29. September 1928 endlich ihr erstes Korporationshaus in der Wehrstraße 4 erwerben. Nachdem der Besitzer das Haus verlassen hatte und das Haus leicht umgebaut wurde, konnte das Germanenhaus am 14. 2. 1929 eingeweiht werden. Am 17. 2. 1929 schlug man den Eröffnungskommers beginnend im Vereinslokal am Marienplatz von wo aus die Corona in einem Fackelzug zum neuen Haus an der nahen Wehrstraße zog.

Im WS 1928/29 kam es trotz Wiederständen innerhalb des Vereins erneut einstimmig zur Teilung der Aktivitas und damit zur Gründung einer weiteren Tochterkorporation, der Eresburg, die vornehmlich Theologiestudenten aufnehmen sollte. 

Ende der 1920er Jahre kam es durch die wirtschaftliche Rezession und die Wirtschaftskrise zu einem schweren Einschnitt im Vereinsleben. Das Studieren wurde wesentlich erschwert, da die Studenten arbeiten mußten, um ihren Unterhalt finanzieren zu können. Dies hatte natürlich Auswirkungen auf das Vereinsleben, der Korporationsbetrieb unterlag wieder starken Einschränkungen.

Die Germania im Dritten Reich

Auch in der Germania wurde 1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten das Führerprinzip übernommen.

Nun stand dem Verein ein sogenannter Korporationsführer vor, der die Seniores des Altherrenvereins und der Aktivitas ernannte; allerdings übernahm in der Germania der bisherige Philistersenior das Amt des Korporationsführers in Personalunion. Im Dezember 1933 wandelte die Korporation, obwohl es von den Nationalsozialisten nur empfohlen wurde, ihr Vereinshaus freiwillig in ein Kameradschaftshaus um. 1934 kam es allerdings erstmals zu offiziellen Mißtönen nach Maßnahmen der Nationalsozialisten und aufgrund des äußeren Druckes musste das konfessionelle Prinzip des Verbandes und damit auch der Germania aufgegeben werden.

Die Maßnahmen der Nationalsozialisten führten schließlich zur Selbstauflösung der Aktivitas am 18. 5. 1936. Im Juni 1936 traf man sich zu einer Schlußkneipe auf dem Haus, nach deren Ende man sich versprach, auch weiterhin Kontakt zu halten. Auch nach dem Ende der aktiven Korporation, zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte, bestanden der Altherrenverein und der Hausbauverein weiter. Das Haus in der Wehrstraße mußte 1937 verkauft werden, da es nicht weiter gehalten werden konnte. 1938 wurde der Altherrenverein zusammen mit allen noch bestehenden katholischen Korporationen wegen Staatsfeindlichkeit verboten.

In der Verbotszeit bestand das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter, man konnte es aber nicht nach außen hin zeigen. Trotzdem kam es zu wenigen illegalen Treffen im Ruhrgebiet, ansonsten aber blieben die Mitglieder der Korporation verstreut, die Germania existierte nicht mehr.

Unser ehemaliges Germanenhaus wurde schliesslich, ebenso wie unser Vereinsarchiv und das Mobiliar (bis auf die Chargenstühle, zwei Tische und einige Kneipstühle), durch einen alliierten Bombenangriff auf Münster zerstört.

Die Wiederbegründung

Nach dem Krieg begann eine Phase der Konsolidierung der Germania, so daß sich 19 Alte Herren am 4. Dezember 1946 in Hamm trafen und den Altherrenverein Germania wiederbegründeten. Die Altherrenschaft fand sich allmählich wieder, man zählte bald wieder fast so viele Mitglieder wie vor dem Zweiten Weltkrieg.

Nach dieser Sammlungsphase traten die Alten Herren an junge Studenten an der Universität in Münster heran, um eine neue Aktivitas für die Korporation zu suchen. Auf der zweiten Tagung des Altherrenvereins am 28. 5. 1947, bei dem 32 Germanen anwesend waren, wurde eine Gruppe aus sechs Studierenden, unter denen sich drei Söhne von Alten Herren befanden, zum Freundeskreis der Germania erklärt, aus der später die eigentliche neue Aktivitas hervorging.

Da die Verbindungen aber noch von der britischen Militärregierung verboten waren, durfte dieser Freundeskreis keine offizielle Aktivitas der Germania bilden. Um den Studenten das Korporationsleben nahezubringen, traf man sich wöchentlich in der Ratsschänke, wo sie von den AHAH in das Verbindungsleben eingeführt wurden.

Die inoffizielle Aktivitas beantragte ihre Genehmigung als Akademischer Leseverein bei der britischen Militärverwaltung und dem Rektorat der Universität. Man wählte diesen Namen und die Farben bischofsviolett - weiß - schwarz, um bei der britischen Verwaltung die Genehmigung des "neuen" Vereins durchsetzen zu können, da eine Germania mit den umgekehrten Reichsfarben sicherlich auf Ablehnung gestoßen wäre. Die offizielle Genehmigung wurde am 18. Februar 1948 erteilt. Am 28. 4. 1948 konnte nun die Publikation des Akademischen Lesevereins auf einer Kneipe erfolgen, die Beziehung zu Alten Herren mußte aber weiter verheimlicht werden. Die Genehmigung des Namens Germania erfolgte erst im Februar 1950, so daß sich der Leseverein nun erstmals Germania nennen durfte, und die Aktivitas offiziell zu ihrer Altherrenschaft gehörte.

Unsere Nachkriegsgeschichte bis heute

Nach der Wiederbegründung und der Reaktivierung erholte sich der Verein schnell und begann wieder zu wachsen. Schon 1951 war der Verein in der Lage, die Reaktivierung der Breslauer Franko-Silesia, die nach einer Aktivitas suchte und Kontakt zur Germania aufnahm, durchzuführen.

1949 konnte unser Bootshaus an der Pleistermühle, mit dem Geld aus dem Verkauf des Hauses Wehrstraße 4, gekauft werden.

Da aber der Korporation ein Haus fehlte, mußte sie wieder in Vereinslokalen verkehren. Doch schon 1956 erwarb der Altherrenverein das Haus Gertrudenstraße 45, das etwa um 1907 von der münsterischen Kaufmannsfamilie Krawinkel erbaut wurde. Nach Umbauarbeiten kannte das Germanenhaus am 10. 11. 1957 eingeweiht und bezogen werden. Zuerst stand der Korporation nur das Erdgeschoß zur Verfügung, die zwei Wohnungen in den oberen Etagen wurden erst 1959 frei. Nach einem Umbau der Wohnungen und des Hauses in ein Wohnheim, konnten die Zimmer 1960 erstmals von Germanen bezogen werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mußte sich die neue Aktivitas ihren Standpunkt im Korporationswesen erst suchen. Man begann Formen (Kneipen, Fahne, Vollwichs) und Inhalte zu überdenken. Trotz aller Änderungen, die nach dem Bruch 1933 bis 1947 und dem Wiederbeginn unvermeidlich waren, fand die Aktivitas wieder eine als eher konservativ zu bezeichnende Position. Als aber 1964 von der Altherrenschaft erstmals ein roter Vollwichs angeschafft wurde, löste dies Probleme in der Aktivitas aus, sogar von Austritten war die Rede.

Ende der 1960er Jahre kam es für die Korporation zu existentiellen Schwierigkeiten. Während der Studentenrevolten, der Politisierung der Studentenschaft und den Forderungen nach Reformen des Hochschulsystems, wurde natürlich auch die Frage nach der Existenz der Verbindungen aufgeworfen. Sie galten als nicht zeitgemäß und überholt. Dies hatte natürlich schwerwiegende Auswirkungen auf die Korporationen und die Germania. Es fand sich kaum Nachwuchs, die Mitgliederzahl schwand rapide. Intern gab es Probleme mit der Standortfindung; eine Neustrukturierung des Vereins wurde gefordert. 1971 stand die Aktivitas kurz vor dem Untergang, nachdem zwei Jahre lang kein Fuchs nachkam. Seit 1972 ging es allerdings langsam wieder bergauf, so daß unser Verein, trotz einer relativ geringen Größe der Aktivitas, heute im Vergleich zu anderen münsteraner Aktivitates allerdings positiv abschneidet. 

 
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